Von guten und schlechten Zeiten

Veröffentlicht am 05.12.2016 in Ortsverein

Artikel aus der LKZ vom 5.12.2016 von Frank Klein

Der Ortsverein feiert in der Willy-Krehl-Halle sein 125-jähriges Bestehen – Eckart Bohn erhält die Willy-Brandt-Medaille

Rund 150 Genossen sind am Freitagabend in die Willy-Krehl-Halle gekommen. Die SPD feiert die Gründung des Ludwigsburger Ortsvereins vor 125 Jahren, die neue Landesvorsitzende Leni Breymaier soll die Festrede halten. In den vergangenen 125 Jahren hat die Partei gute wie schlechte Zeiten durchgemacht, daran erinnert eine Ausstellung in der Willy-Krehl-Halle.

Die Schautafeln verdeutlichen auch, wie schnell Verfechter einer freiheitlichen Grundordnung ins Fadenkreuz totalitärer Kräfte geraten können. 1933, wenige Monate nach der sogenannten Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, ließ der Ludwigsburger NSDAP-Chef Ferdinand Ostertag den Vorsitzenden der SPD-Gemeinderatsfraktion Alfred Tischendorf rechtswidrig verhaften. Tischendorf wurde für einige Zeit im KZ Heuberg eingesperrt, auch andere Ludwigsburger Genossen verschwanden vorübergehend in Konzentrationslagern.

Die Gesangsgruppe „Die Marbacher“ stimmt mit Arbeiterliedern auf den Abend ein. Das ist ganz nach dem Geschmack der SPD-Landeschefin, die mit warmem Applaus empfangen wird. „Wir singen diese Lieder nicht, weil wir in der Vergangenheit schwelgen, sondern weil wir stolz nach vorne blicken und das Land gestalten wollen“, so Breymaier.

Bei ihrer Rede macht sich Aufbruchstimmung im Saal breit. Nach dem desaströsen Abschneiden bei der jüngsten Landtagswahl rückt die ehemalige Verdi-Landeschefin traditionelle sozialdemokratische Grundwerte stärker in den Vordergrund, etwa in der Alterssicherung. Immer mehr Menschen erhielten nach einem 35- bis 40-jährigen Arbeitsleben eine Rente unterhalb der Grundsicherung, „das macht das System kaputt“. Breymaier spricht sich für eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung aus, zudem müsse sich die SPD intensiver für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum einsetzen. Künftige Wertschöpfung aus der voranschreitenden Digitalisierung müsse möglichst breit verteilt werden. Es sei Aufgabe der SPD, die Digitalisierung „menschlich zu gestalten“. Deutschland brauche ein Einwanderungsgesetz, fordert Breymaier. Bei allen Kontroversen um die Einwanderungspolitik müsse die Partei aber deutlich machen: „Rassismus und Faschismus gehen mit der SPD nicht. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“

Mit ihrer Rückbesinnung auf traditionelle linke Werte spricht Breymaier vielen Genossen, die sich nach der Rede von ihren Sitzen erheben und nun auf bessere Zeiten hoffen, aus der Seele. Aufbruchstimmung herrscht auch im Ludwigsburger Ortsverein. Mitte des Jahres hat Yannick Schulze das Ruder übernommen. „Der Vorstand wurde wie noch nie in der Vergangenheit verjüngt“, sagt Schulze und kündigt an, dass sich die Ludwigsburger SPD „um die Mittelschicht kümmern wird“. Margit Liepins, Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion, fordert einen autofreien Arsenalplatz und eine Offensive für Bus, Bahn und E-Mobilität, inklusive dem Bau einer neuen Stadtbahn. „Wir müssen über neue Formen der Mobilität nachdenken.“

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec bezeichnet die SPD als unverzichtbare Kraft in der Kommunalpolitik. Angesichts der zunehmenden Spaltung in Arm und Reich brauche es auch künftig eine Partei, die sich dem „sozialen Fundament“ der Gesellschaft widme. „Was wir nicht brauchen, ist ein weiteres Erstarken des Populismus in der Politik.“ Zum Abschluss ehrt der frühere Bundestagsabgeordnete Gunter Huonker seinen Parteifreund Eckart Bohn mit der Willy-Brandt-Medaille, der höchsten und nur in seltenen Fällen vergebenen Auszeichnung der SPD. Bohn hat sich laut Huonker nicht nur lange Jahre in Gemeinderat und Kreistag mit außerordentlicher Sachkenntnis und Gründlichkeit für die Sozialdemokratie eingesetzt, sondern auch durch diverse Ehrenämter nach außen gewirkt. Seit 30 Jahren ist er Vorsitzender des Ludwigsburger Mieterbundes, Ende der 80er Jahre gründete Bohn einen neuen Vorstand der in schwieriges Fahrwasser geratenen Arbeiterwohlfahrt. „Er hat an entscheidender Stelle dazu beigetragen, dass sich die AWO zu einem sozialen Dienstleistungsunternehmen entwickelt hat, auf das die Stadt stolz sein kann“, so Huonker.

 

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